Enterprise Resource Planning (ERP) - myOpenFactory
Neuer Standard für unternehmensübergreifende Produktionslogistik
„ERP – myOpenFactory“ betrifft sowohl die internen als auch die externen Betriebsabläufe. Es handelt sich im Wesentlichen um die Einführung eines EDV-Standards für alle Hersteller und Lieferanten in der Produktionskette. Das mehrmalige aufwändige Erfassen von Produktdaten soll damit vermieden werden und für alle Beteiligten eine durchgängige Transparenz in der Lieferkette mit allen Produktionsdaten erreicht werden.
Der Erfolg baden-württembergischer Maschinen- und Anlagenbauer liegt u.a. auch in der Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Herstellung komplexer Produkte. Allerdings erwies sich in der Vergangenheit der Datenaustausch in Produktions- und Liefernetzwerken oft als schwierig.
Telefon, Fax und Briefpost stellen bis heute wichtige Kommunikationsmittel im Maschinen- und Anlagenbau dar, da die zusätzliche Erfassung der Daten in EDV-Systeme einen hohen Zeit- und Personalaufwand erfordern.
Die Ursprünge der Softwaresysteme zur Ressourcenplanung (ERP-Systeme) stammen häufig aus einer Zeit, in der es noch kein Internet mit technischen Vernetzungsmöglichkeiten gab.
Der ERP-Software-Markt (ca. 120 Programmanbieter mit über 200 spezifischen ERP-Programm-Lösungen in Deutschland) ist stark heterogen. Zur unternehmensinternen Abwicklung eines typischen Kundenauftrags werden heutzutage viele verschiedene EDV-Programme eingesetzt, die bereits heute in den Unternehmen zu zahlreichen internen Schnittstellen und Medienbrüchen führen. Im globalen Produktionsnetzwerk potenziert sich dieses Problem noch hoch.
In der Automobilindustrie wird die Vernetzung und Entwicklung von Standards von den ERP-Programmherstellern schon forciert, da in der automobilen Auftragsabwicklung oftmals eine lineare Lieferkette mit klaren Abhängigkeitsverhältnissen besteht. Im Maschinen- und Anlagenbau herrschen in den Lieferketten komplex verzahnte Netzwerke vor. Generalunternehmer, viele kleine und mittlere Unternehmen und mehrere Lieferanten sind in die Produktionskette eingebunden. Das macht die Einführung eines Standards schwieriger.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt „myOpen-Factory“. Dort wurde ein Standard für den Informationsaustausch entwickelt, den alle ERP-Programme beinhalten sollen, damit die Software vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen interessant und hilfreich wird. Die Herausforderungen bestanden hierbei vor allem in der "Beschränkung auf das Wesentliche" und darin, die ERP-Programm-Anbieter im deutschen Markt an einen Tisch zu bringen, um die Standardisierung trotz Konkurrenzsituation gemeinsam anzugehen.
Pilotimplementierungen laufen derzeit bei verschiedenen Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau. Erste Erfahrungen mit ERP-Programmen, die diesen neuen Standard beinhalten, sind laut Hersteller positiv. Die Nutzung einer integrierten Bestellabwicklung - also unter Vermeidung bestehender Medienbrüche - zeigte ein Einsparpotenzial von durchschnittlich 45 Prozent der Prozesskosten (Befragung von 80 Maschinenbauunternehmen zur Bestellabwicklung).
Die durchgängige Transparenz, die myOpenFactory über den Auftragsfortschritt im Unternehmen selbst und bei Lieferanten herstellt, erhöht die Termintreue, die im Maschinen- und Anlagenbau besonders wichtig ist. Sie wirkt sich zudem positiv auf alle gängigen Zielgrößen wie Bestands- und Aufwandsreduktion sowie gleichmäßigere Auslastung aus. In der Summe bietet das einen signifikanten Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.
In Kürze erfolgt die Gründung der myOpenFactory eG, einer Genossenschaft, die für die Weiterentwicklung und Pflege des Standards verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus wurde bereits zur Weiterentwicklung der Software für Kleinunternehmen (Web-Cockpit) eine GmbH gegründet.


